Toleranzen.

Wie in einem früheren Artikel bereits angeklungen, ist die Welt bunt. Da gibt es alle möglichen Farben, die man sich vorstellen kann – und vielleicht sogar die eine oder andere Farbe, die nicht vorstellbar ist. Das ist schön. Solange man bunt mag. Will man sich auf wenige Farben beschränken, fängt es leider an problematisch zu werden. Denn überschüssige Farben verschwinden nicht einfach. Natürlich muss man Homosexualität nicht befürworten. Oder die Zugehörigkeit zu Kirche X. Vielleicht sogar Kirche Y.

Als meine Wohnungsanfrage einst nach meinem Bekenntnis zu meiner Konfession abgelehnt wurde, dachte ich auch im ersten Moment „Was für ein ignorantes Arschloch“. Aber ist er das? Ist seine Toleranzgrenze wirklich zu niedrig, wenn er mit diesen seltsamen religiösen Menschen einfach nichts zu tun haben will? Und den Namen kennt er ja gar nicht, ist bestimmt eine Sekte!

Zwar folgt in diesem Fall der Uninformiertheit – die für sich gesehen ja nicht weiter tragisch ist – eine große Faulheit, die es Betroffenen leider zu schwer macht, für eine halbe Minute zu googeln und zu erkennen, dass ich kein Scientologe bin. Der einfache Weg erfreut sich nun mal in der heutigen Zeit großer Beliebtheit.

An diesem Punkt ist mir in den Sinn gekommen, ich könnte die Definition von Toleranz einmal nachschlagen. Ja ich weiß, kommt früh.

 

Toleranz, Substantiv.

1. Achtung und Duldung gegenüber anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen.

2. Das Maß, in dem etwas von einem Standardwert abweicht.

 

Toleranz heißt also, sich mit der Anwesenheit anderer Menschen abzufinden. Jaja, nur ein paar Seiten dieser Menschen, aber die kannst du halt nicht aus dem Buch rausreißen und wieder reinkleben, wie es dir passt. Sieht scheiße aus.

Natürlich kann der arme Vermieter nichts dagegen tun, dass ich so einer seltsamen Kirche angehöre, von der er noch nie gehört hat. Er kann auch nichts dagegen tun, dass in seiner Nachbarschaft sich so viele für Flüchtlinge aussprechen, nur weil die versuchen dem Tod zu entrinnen. Aber muss er das in seinem eigenen sozialen Umfeld berücksichtigen? Vielleicht mag er ja einfach keine Menschen. Dann hätte er zwar nicht Vermieter werden sollen, aber wer macht denn im Leben schon alles richtig…

Ich toleriere es natürlich, wenn ein Kommentar unter meinen Beiträgen in eine Richtung schießt, die ich nicht vorgesehen hatte. Denn vielleicht ist es ja auch meine Schuld, weil ich mich als unvollkommener Mensch nicht angemessen artikuliert habe. Aber was tolerierst du? Wo ist deine Grenze – und würdest du diese vielleicht eigentlich gerne höher oder tiefer ansetzen wollen?

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